Auskömmliche Zinsen mit Private Debt: die Alternative für institutionelle Investoren

| Jens Schneider, Leiter Kapitalanlagen bei der HanseMerkur Trust AG

Neben Immobilien und Immobilienfinanzierungen sind Investitionen in Private Debt für institutionelle Investoren eine interessante Alternative, um die geforderte Zielrendite zu schaffen.

Die Corona-Pandemie hat die expansive Geldpolitik der globalen Notenbanken noch weiter verstärkt und führt zu einem weiteren Rückgang der Renditen und Risikoaufschläge. Diese inzwischen seit Jahren anhaltende Phase von niedrigen und zum Teil negativen Zinsen zwingt institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen in alternative Anlageklassen auszuweichen, um die geforderte Zielrendite zu erwirtschaften. Neben Immobilien und Immobilienfinanzierungen richtet sich die Aufmerksamkeit u. a. auf Investitionen in Private Debt.

Bei der Anlageklasse handelt es sich um eine alternative Kreditfinanzierungsform für klein- und mittelständische Unternehmen, die sich i.d.R. nicht über die öffentlichen Kapitalmärkte finanzieren können. Auch Familienunternehmen sind beliebte Kreditnehmer alternativer Finanzierungsformen. Die steigende Nachfrage ergibt sich aus den vielfältigen Finanzierungsbedürfnisse dieser Unternehmen, deren Bedarf von der Überwindung einer Krisensituation über Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten bis hin zur Wachstumsfinanzierung reicht. Das Interesse an Private Debt resultiert aus den erhöhten aufsichtsrechtlichen Bestimmungen und den strengeren Kapitalanforderungen der Banken bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen.  Auf der anderen Seite stehen die institutionellen Investoren, die anstelle von Banken als Kreditgeber dieser Unternehmen fungieren. Spezialisierte Fondsmanager richten ein Anlagevehikel (geschlossenen Private Debt Fonds) mit fester Struktur und Strategie ein.  Damit haben Investoren des Fonds die Möglichkeit als Kreditgeber zu fungieren und von entsprechenden Zinszahlungen zu profitieren. Klassischerweise besteht ein Private Debt Fonds meist aus 20 bis 30 Darlehen an verschiedenen Unternehmen.

Wesentliche Merkmale von Private Debt im Vergleich zu anderen Unternehmensfinanzierungsformen wie Corporate Bonds sind die Illiquidität und das Fehlen eines externen Ratings. Für den Verzicht auf Liquidität und Rating erhält der Anleger im Gegenzug eine attraktive Rendite. Ein weiterer Vorteil: Private Debt hat gegenüber anderen Assetklassen wie Staats- und Unternehmensanleihen und Aktien grundsätzlich bereits einen sehr guten Diversifikationsbetrag, da es mit den anderen Märkten nur gering korreliert ist. Der Kupon der Darlehen setzt sich in der Regel aus dem Risikoaufschlag und dem kurzfristigen variablen Zins (inklusive Floor bei null Prozent) zusammen. Dabei stellt der Floor die Untergrenze für den variablen Zins dar. Diese Konstruktion bietet für den Investor somit einen Schutz und gleichzeitig auch eine Chance. Im Falle eines weiteren Rückgangs des Marktzinses wird sich die gesamte Darlehensverzinsung aufgrund des Floors nicht verändern. In einem Kapitalmarktumfeld von steigenden Zinsen würde der Investor allerdings vollumfänglich partizipieren.

Aufgrund des fehlenden externen Ratings und der damit fehlenden Transparenz und Vergleichbarkeit, ist ein besonderes Augenmerk auf die Expertise der Private Debt Fondsmanager zu richten und deren Selektionskriterien bei der Auswahl der zu finanzierenden Unternehmen. Darüber hinaus entwickeln Private Debt Fondsmanager besondere Vertragsklauseln (Covenants) und richten eine laufende Kreditüberwachung ein, um das Kreditausfallrisiko zu mindern. Entscheidend für den Erfolg ist die Auswahl der Zielfondsmanager. Diese sollte in einem mehrstufigen und stringenten Prozess erfolgen. Im ersten Schritt liegt der Fokus auf einer wirtschaftlichen Due Diligence, die die Punkte Team, Investment Prozess und Track Record beinhaltet. Im Anschluss an die wirtschaftliche Due Diligence ist zu empfehlen, eine zweite wirtschaftliche Einschätzung von einem unabhängigen externen Partner einzuholen, um die eigenen Ergebnisse zu validieren. Danach sollte die weitere vollständige rechtliche- und steuerliche Prüfung von einer erfahrenen externen Anwaltskanzlei durchgeführt.

Beim Aufbau eines Private Debt Portfolios spielen natürlich auch Implementierungskosten eine Rolle. Eine wirtschaftliche und rechtliche Due Diligence ist mit hohen Kosten verbunden. Investments in einen einzelnen Private Debt Fonds unter EUR 20 Mio. sind daher wirtschaftlich eher nicht sinnvoll. Einen schnellen Einstieg für institutionelle Investoren bietet daher ein Dachfonds-Investment mit breiter Diversifikation. Wie dies in der Praxis aussehen kann zeigt das Beispiel unseres kürzlich aufgelegten Dachfonds HanseMerkur Private Debt S.C.Sp, SICAF-RAIF. Dieser setzt auf bewährte Strategien und erwirbt Anteile von Zielfonds mit Investmentschwerpunkt in Mittel- & Nordeuropa, die ihrerseits überwiegend in erstrangig besicherte Darlehen wie Senior Secured Loans investieren. Die Darlehen der Zielfonds werden größtenteils über Direktfinanzierungen (Direct Lending) an cashflow-starke Klein- und Mittelstandsunternehmen, in möglichst nicht zyklischen Branchen, vergeben. Damit ist der Dachfonds eine Lösung für institutionelle Anleger, um auch moderate Investments unter EUR 20 Mio. sicher und diversifiziert in den Private Debt Markt zu tätigen. Die HanseMerkur ist als Investor hier ebenfalls dauerhaft investiert.

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