Familiengeführte Qualitätsunternehmen bieten Potenzial für hohe Outperformance

| Frank Biller, Geschäftsführer FB Investment Advisory

Ein zentrales Ziel aktiver Manager ist ein Mehrertrag durch ihre Anlageentscheidungen. Bei der Titel-Selektion bedeutet das, die Werte zu identifizieren, die aufgrund ihrer Bewertung und Zukunftsperspektiven eine überdurchschnittliche Wertentwicklung gegenüber dem definierten Anlageuniversum erwarten lassen. Familiengeführte Unternehmen sind ein solcher Werttreiber für Aktienportfolios.

Unabhängig von Trends und Branchen bieten familiengeführte Unternehmen einen hohen Mehrwert für Anleger. Die Outperformance dieser Unternehmen liegt für lange Betrachtungszeiträume bei durchschnittlich über 4 Prozent pro Jahr. Mit Blick auf die typische Aktienmarktrenditen von ca. 7 Prozent pro Jahr ist dieser Mehrertrag beeindruckend. Dieser Effekt lässt sich nicht nur im Vergleich des Index für die größten deutschen familiengeführten Unternehmen DAXplus Familiy 30 mit dem DAX beobachten, sondern auch international.

 

Outperformance mit starker fundamentaler Grundlage
Wie lässt sich die hohe Outperformance familiengeführter Unternehmen erklären? Der entscheidende Faktor sind überlegene betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die diese Unternehmen insgesamt aufweisen. Dies zeigt auch eine Studie der TU München, die das Universum börsennotierter Familiengeführter Unternehmen mit Unternehmen, die nicht als familiengeführt gelten, vergleicht. Familiengeführte Unternehmen zeigten dabei im betrachteten 10-Jahreszeitraum ein deutlich stärkeres Wachstum, eine höhere Profitabilität und - gemessen an der Eigenkapitalquote - auch eine größere finanzielle Solidität. Grundlage für die Untersuchung waren knapp 500 Unternehmen des CDAX.

nicht familiengeführt

Familiengeführt

Umsatzwachstum*

50 %

122 %

Wachstum Mitarbeiter*

63 %

77 %

Eigenkapital Rendite**

8,1 %

9,8 %

Eigenkapital Quote*

28 %

42 %

Quelle: Studie Center for Entrepreneurial and Financial Studie, TU München, 2019 Daten: 2009-2018, * Mittelwert, ** Median

Damit stellen sich familiengeführte Unternehmen als überdurchschnittlich gut geführte Unternehmen dar, die überlegene betriebswirtschaftliche Entscheidungen fällen. Hier dürfte die Langfristigkeit der Planungen und Entscheidungen aber auch Risikobewertungen zentrale Rollen spielen. Zudem besteht durch den hohen Anteil der Gründerfamilie am Unternehmen üblicherweise Interessengleichheit der Unternehmensführung mit den übrigen Aktionären. Bei angestellten Managern ohne starke Kontrollinstanz können Interessenkonflikte und kürzere Entscheidungshorizonte hingegen stärker ins Gewicht fallen. Die langfristige Unternehmensentwicklung tritt so in den Hintergrund.

Da sich überlegene fundamentale Kennzahlen langfristig auch in überdurchschnittlichen Kursentwicklungen widerspiegeln, weisen familiengeführte Unternehmen eine Outperformance auf. Diese Outperformance ist nicht nur empirisch gut untermauert, sondern sie hat auch eine ökonomisch plausible Grundlage. Dies ist eine sehr gute Basis für künftige überdurchschnittliche Renditen des Anlageuniversums.

Selektion langfristig erfolgreicher Familiengeführter Unternehmen

Aufgrund der hohen Outperformance sind familiengeführte Unternehmen ein zentraler Baustein der diversifizierten Alpha-Strategie des ART-Alpha Opportunities UI. Um von den Potenzialen dieser Unternehmen zu profitieren, hat die FB Investment Advisory ein rund 200 Werte umfassendes europäisches Universum familiengeführter Unternehmen aufgebaut und betreibt für dieses Anlageuniversum eigenes Research. Denn auch bei familiengeführten Unternehmen gibt es Unterschiede in Bewertung und Qualität, die eine Selektion notwendig machen.

Bei der Titel-Selektion wird dabei auf familiengeführte Unternehmen mit hoher
Wettbewerbsqualität abgezielt. Dadurch werden die erfolgreichsten familiengeführten Unternehmen identifiziert und mit dem Faktor Qualität eine weitere robuste Alpha-Quelle genutzt. Unternehmen mit hoher Qualität, die auf starken Marktposition und Wettbewerbsvorteilen beruht und sich in überdurchschnittlicher Profitabilität ausdrückt, weisen langfristig eine Outperformance auf. Mit den Kriterien Familiengeführt und Qualität lassen sich sowohl die Hidden Champions des börsennotierten deutschen Mittelstands als auch langfristig erfolgreiche internationale Konzerne identifizieren.

Familiengeführte Unternehmen: Beispiele
Deutsche Qualitätsunternehmen im Anlageuniversum familiengeführter Unternehmen sind beispielsweise die Software-Unternehmen Compugroup, Nemetschek und SAP. Ihre Geschäftsmodelle sind hoch skalierbar und ermöglichen so hohe Margen, gleichzeitig weisen sie eine führende Expertise für spezifische Software-Lösungen auf. Compugroup für das Gesundheitswesen, Nemetschek für die Bauwirtschaft und SAP für betriebswirtschaftliche Anwendungen. Diese Marktpositionen stellen einen hohen Schutz vor Wettbewerb dar.

Aber auch die Firmen bekannter Gründer wie Sixt und Fielmann gehören zum Universum erfolgreicher familiengeführter Unternehmen. Sie haben es geschafft in ihren Branchen marktführende Stellungen aufzubauen.  

Auf europäischer Ebene finden sich unter den familiengeführten Qualitätsunternehmen internationalen Konzerne, wie der Luxusgüteranbieter LVMH und das Pharma-Unternehmen Roche. Ihre Wettbewerbsqualität basiert auf starken Marken bzw. Patenten, die den Unternehmen Preissetzungsmacht verleihen und damit eine hohe Profitabilität sichern.

Renditeziele mit weniger Risiko erreichen
Die Verbindung von Wettbewerbsqualität und familiengeführt erschließt gleich zwei empirisch fundierte und betriebswirtschaftlich plausible Alphaquellen. Sie sind unabhängig von Trends und damit kein temporäres Phänomen. Durch die Nutzung dieser Alphaquellen lassen sich Zielrenditen mit weniger systematischem Risiko erreichen. Im ART Alpha Opportunities UI wird dieser Effekt genutzt, um in einem Multi-Asset-Portfolio ein überdurchschnittliches Rendite-Risikoprofil zu erreichen.


*Als familiengeführte Unternehmen werden Unternehmen bezeichnet, die von den Gründern oder deren Familien geführt oder kontrolliert werden.
Das heißt, die Gründerfamilien sind noch wesentlich beteiligt und auch in Gremien des Unternehmens vertreten. In dieser Position können eine starke Kontrollfunktion ausgeübt und Entscheidungen im Unternehmen gesteuert werden. Auch wenn es keine einheitliche Definition gibt, wann ein Unternehmen familien- bzw. eigentümergeführt ist, so gibt die Definition der Index-Familie Familyplus der Deutschen Börse eine gute Orientierung. Als familiengeführt gelten Unternehmen mit einem Stimmrechtsanteil der Gründerfamilie von mindestens 25% oder einem Anteil von mindestens 5% und einem Sitz in Vorstand oder Aufsichtsrat.

 

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