Folgen der US-Politik: Rohstoff-Hausse und Emerging Markets-Fokus statt Magnificent 7

  • AGATHON CAPITAL

Die Börsen werden durch die Symbole des Bullen und des Bären charakterisiert. Doch was bedeutet dies?

Börse ist keine schwarz-weiß Betrachtung, sondern eine komplexe Betrachtung von Branchen und Wirtschaftszyklen, bei denen das Geld nicht aus dem Markt genommen wird, wenn sich die Umstände verschlechtern, sondern in andere Branchen umgeschichtet wird, die vielversprechendere Entwicklungen versprechen.

Die wichtigste Beobachtung der letzten Jahre ist, dass ein Markt durch die Psychologie der Marktteilnehmer viel länger in eine Richtung läuft, als man selbst an einer Position (Short) festhalten kann und dass die Marktteilnehmer oft lange brauchen, um die Realität zu akzeptieren. Dies führt oft zu breiten Boden- oder Topbildungen an den Märkten. Um es auf den Punkt zu bringen: Eine derartige Topbildung mit hohen Volatilitäten im Seitwärtstrend ist im S&P 500 für das Jahr 2026 sehr wahrscheinlich.

Die KI-Story bleibt in 2026 so lange intakt, bis die ersten, der Mag 7 Investitionskürzungen verkünden werden. In diesem Jahr ist für die USA zudem eine moderate Inflation zu erwarten, die erst im Jahr 2027 stärker ansteigen wird - wie in den Jahren 1979 bis 1982 (zweite Ölkrise). Der US-Dollar nimmt in diesem Szenario für die nächsten Jahre eine strategische Short-Position ein.

Was Trump betrifft, werden seine Zustimmungswerte immer weiter fallen. Entsprechend wird er im Vorfeld der Midterm-Wahlen alles versuchen, um die US-Wirtschaft anzukurbeln, damit die Republikaner ihre Mehrheit nicht verlieren. Damit ihm dies gelingt, muss er entsprechenden Einfluss auf den neuen Fed-Chef nehmen, die Zinsen weiter zu senken. Außerdem muss er einen Zoll-Deal mit China einfädeln, um die Verbraucherpreise und somit den Konsumenten zu entlasten. Weiterhin muss Trump  Steuersenkungen und eine Reduzierung des Ölpreises erreichen. All diese Aktivitäten sollen den Konsumenten vor den nächsten Wahlen entlasten und dazu führen, dass die Republikaner die Mehrheit behalten. Die Konsumenten und die Aktienmärkte werden also genau auf die Veränderung der Arbeitslosenquote und den Verbraucherpreisindex achten. Solange die Arbeitslosenquote unter 5% und die Erhöhung der Verbraucherpreise unter 4% liegen, bleiben alle entspannt.

Für die Aktienmärkte 2026 bedeutet dies, Abwarten und Seitwärtsbewegung. Aber was kann all dies für unsere langfristige Allokation in einer Welt von Geldentwertung, Populismus und übermäßigen Staatsausgaben bedeuten?

Amerikanische Staatsanleihen werden verkauft und der US-Dollar kommt immer mehr unter Druck, da die US-Staatsverschuldung alle 100 Tage um 1 Billion US-Dollar steigt. Die Rohstoffmärkte (Gold, Silber, Kupfer) sind bis 2032 in ein Jahrzehnt der Hausse eingetreten und die Aktien und Währungen der Emerging Markets werden von all dem mit hohen Zuflüssen profitieren.

Und was machen die Mag 7?
Die größte Bedrohung für die Mag 7 ist ihre eigene Kapitalintensität. Im Jahr 2026 sind Investitionsausgaben in Höhe von 740 Milliarden US-Dollar geplant. Mehr als die Hälfte soll über den Kapitalmarkt finanziert werden. Diese könnte den freien Cashflow in den nächsten Monaten auf Null sinken lassen und alle zu massiven Anleiheemissionen zwingen. Die KI-Blase und Verschuldung könnte genau dann platzen, wenn die erste KI-Aktie spätestens Ende 2026 Investitionskürzungen ankündigt.

Entsprechend werden sich die Kapitalanleger die Ausgaben im Verhältnis zum Nutzen genau anschauen und vermutlich irgendwann im Laufe des Jahres 2026 feststellen, dass diese hohen Investitionen niemals zu positiven Renditen führen werden. Kommt es zu ersten Zahlungsausfällen, würde dies zu einer Kreditverknappung führen und die Nervosität an den Kapitalmärkten weiter ansteigen lassen. Dass die Kapitalanleger bereits jetzt vorsichtiger werden, zeigt die Under Performance des NASDAQ seit Jahresbeginn. Der zunehmende Wettbewerb zwischen den KI- und Rechencenter-Anbietern deutet darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass alle Marktführer langfristig genügend Gewinne erwirtschaften, um den gewünschten Renditen der Kapitalanleger gerecht zu werden.

Ein weiteres Szenario, das ein mögliches Jahrzehnt der Hausse an den Rohstoffmärkten und Mittelzuflüsse in Aktien und Währungen der Emerging Markets befeuert.


(Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.)